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Tour-Tagebuch von Andre Tietgen
 
Mittwoch, 30. Juni
 
Jetzt geht es los. Mit dem Flugzeug nach Pamplona. Vom Flughafen direkt liegen noch 693 Kilometer vor ihm.
 
Andre Tietgen schreibt:
"Hallo, bin gerade in Pamplona gelandet und habe den Camino (= Pilgerweg) schon gestartet."
 
Donnerstag, 01. Juli
 
"Endstation war heute Puente de la Reina. 21 Kilometer bei 34 Grad. Bin zum Glück um sechs Uhr Morgens schon gestartet und trotz zwei großen Blasen gut angekommen. Gruß, Andre."
 
Freitag, 02. Juli
 
Und Andre läuft weiter durch die sengende Hitze Spaniens...
 
Samstag, 03. Juli
 
... und findet Zeit, sich wieder bei uns zu melden. Scheinbar ist er doch nicht ganz abgeschieden gewandert...
"Servus miteinander, neues aus dem spanischen Glutofen. Bisher hatte ich immer so um die 35 Grad. Ich habe wieder mal zuviel Gepäck dabei.
Übrigens bin ich nun in Villamayor, kurz vor los Arcos. Und ich habe gerade erfahren, dass Deutschland Argentinien mit 4:0 weggehauen hat.
Grüße, Andre."
 
Sonntag, 04. Juli
 
"Torres Del Rio ist erreicht! Morgen ist Logrono das Ziel, mal sehen, vielleicht mehr. Bisher haben wir immer so um die 35 Grad gehabt, allerdings gab es leider keinen Schatten bis auf ein klar kleine Olivenbäume. Grüße, Andre."
 
Montag, 05. Juli
 
"Habe gerade Logrono erreicht. Es war heute wieder einmal so heiß, so um die 36 und 37 Grad. Viele Grüße aus der Provinz La Rioja."
 
Dienstag, 06. Juli
 
"Hallo Philipp, liebe Bechhöfer, habe gerade Ventosa erreicht. War bisher der schwierigste Abschnitt für mich, wenn auch nicht der anstrengendste.
Habe fast den ganzen Weg über folgendes Gebet gesprochen:
 
Meine Hilfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde erschaffen hat. Er ist mein Stecken und mein Stab, mein Schild und mein Schutz, daran glaube ich.
 
Damit Gott mir geholfen über die Tagestour zu kommen. Für Morgen habe ich mal Azofra bzw. Ciruena angepeilt. Grüße, Andre."
 
Mittwoch, 07. Juli
 
Es scheint heiß her zu gehen in Spanien, so kurz vor dem Halbfinale gegen Deutschland. Zumindest, wenn man die Zeilen von Andre liest:
 
"Hallo! Habe mich heute entschlossen in Azofra einzukehren, nachdem mir ein Lautsprecherwagen des Zivilschutzes entgegenkam, der die Bevölkerung aufgefordert hat, bei diesen Temperaturen nicht nicht die Häuser zu verlassen und viel Wasser zu trinken.
Ich habe mir dann gedacht, so blöd bist du doch dann auch nicht, dass die dich wegen Hitzschlag vom Weg auflesen müssen.
Deshalb: mein Ziel für Morgen heißt Granon."
  
Und es gibt doch etwas, was nach dem Spiel gegen Spanien versöhnlich stimmt...
 
"Hallo, zusammen, wir haben das Spiel in einer spanischen Bar gesehen, die Stimmung war genial. Die Spanier waren sehr fair und haben mich dann sogar noch zu einem Siegestrunk eingeladen. Gruß, Andre."
 
Es ist halt doch "nur" ein Spiel und sollte der Freude und nicht dem Frust dienen. Auf ein Wiedersehen 2012!
 
Freitag, 09. Juli
 
"Melde mich heute aus Belorado, kurz vor Burgos. Es sind nur maximal zwei Tage bis Burgos, aber das kommt auch auf den Wegverlauf an, da heute fast alles auf befestigten Straßen abging und irgendwann zusätzlich die Füße weh tun. Gruß aus Spanien, Andre."
 
Samstag, 10. Juli
 
"Hallo zusammen! Ich bin heute in San Juan de Ortega angekommen. War echt eine Quälerei, stundenlang durch die Hitze und der einzige Wegführt direkt durch diesen Backofen. Sind auch an dem Denkmal für die Gefallenen des Bürgerkrieges von 1936 vorbeigekommen, habe mich aber aus Gründen der Hitze gegen ein Photo entschieden.
Morgen soll es zwar noch wärmer werden, aber dafür geht die Strecke abwärts. Schau mer mal. Gruß, Andre."
 
Montag, 12. Juli
 
Etwas ausführlicher schreibt Andre heute über seine Erlebnisse am Wochenende:
 
"Hallo, ich bin gerade in Castrojeritz und bin in der Lage ins Internet zu gehen. Ich habe schon einige Freunde gefunden und wieder verloren, aber nur fuer den camino, ich hab jetzt zwei Italier in Milano sitzen, die mich jederzeit aufnehmen und wuerden und mir auch schon auf dem Camino geholfen haben.
 
Ich war schon in mehr Messen (die in der Kirche) als im ganzen letzten jahr, komisch oder?
 
Das Finale hab ich in Burgos gesehen und dann ist der Ausnahmezustand ausbrochen, es sollte eigentlich bis 22.30 Nachtruhe sein, aber es wurde dann doch 04.00 Uhr als der Fanfarenzug seinen Zug durch die Altstadt abgebrochen hat.
Ich hab auch einen Hollaender getroffen, der als einziger bei der Nationalhymne von Holland aufgestanden ist und gleichzeitig seinen Fluchtweg fuer den Fall eines Erfolges von Holland vorbereitet hat ... war ja dann nicht mehr noetig.
Der Rest von uns hat natuerlich die Daumen fuer España gehalten und es hat dann ja doch noch geklappt.
Wie gesagt, die Spanier haben das Spiel gegen Deutschland die ganze Zeit über als ein Wettkampf zwischen zwei Caballeros (=ungefaehr so was wie Gentelman) gesehen, das Spiel gegen holland hingegen war eine wilde Schláegerei und der Schiedsrichter war ein blinder Engländer. So weit von mir, Gruß, Andre.
 
Dienstag, 13. Juli
 
Servus Bechhofen, bei mir ist trotz der Hitze alles OK, bin nun in Hornillos del Camino angekommen (das liegt ca. 20 km hinter Burgos). Habe das Finale der Weltmeisterschaft noch in Burgos auf dem Plaza Mayor gesehen. Die Nachtruhe von 22.30 Uhr konnte damit natürlich nicht mehr in der Herberge eingehalten werden - es wurde ca. 4 Uhr in der Früh, als sich die Stadt beruhigte.
Bin heute das erste Mal durch die Meseta gelaufen. Ist echt depremierend, nur Weizenfelder. Überall.
Liebe Grüße aus Spanien, Andre."
 
Mittwoch, 14. Juli
 
"Hallo zusammen! Ich bin heute in Castrojeritz angekommen, es war heute morgen richtig richtig kalt. Ich musste das erste Mal mit Weste laufen und wurde von dem Wind fast weggeweht.
Derzeit laufe ich in Wassersportschuhen, weil diese am besten für diese Wege geeignet sind. Gruß an alle, Andre."
 
Donnerstag, 15. Juli
 
"Hallo zusammen, bin nun in Fromista angekommen. War wieder so ein Tag mit Hitze, 35 Grad, ohne Schatten und mit der Luft voller Staub. Gruß, Andre."
 
Freitag, 16. Juli
 
"Hallo vom Camino aus Carrion de los Condes. Morgen wird es richtig hart, 18 Kilometer ohne eine Ansiedlung oder einer Bar für das Frühstück. Wir haben schon alle Freßpakete gepackt und die Wasservorräte ergänzt. Gruß, Andre."
 
Sonntag, 18. Juli
 
"Ich habe heute Sahagun erreicht, war wieder so ein Tag wie immer: also über 30 Grad. Ein Tag, an dem die Hitze schlagartig kommt und du nur zwei Möglichkeiten hast: Abbruch oder durchlaufen. Ich hatte schon über die Hälfte geschafft und bin deshalb die restlichen 8 Kilometer durchgelaufen.
Übrigens heißt dieser Teil des Camino 'Camino de la muerte' - wahrscheinlich wegen dem fehlenden Schatten und den damit zusammenhängenden Ausfällen unter den Pilgern damals und heute.
Heute ist rund um die Uhr der Zivilschutz unterwegs, um die Pilgerwege zu kontrollieren und die Landesregierung hat heute kurz vor Sahagun eine mobile Einsatzzentrale für den K-Fall stationiert, um die Pilger versorgen zu können.
Da muss man echt den Hut ziehen vor dem Aufwand, der dort betrieben wird. Gruß, Andre."
 
Montag, 19. Juli
 
"Hallo zusammen, ich bin nun in El Burgo Ranero gelandet und werd wahrscheinlich erst Morgen nach Las Mulas weiterkommen. Mal sehen, wie es sich entwickelt. Gruß, Andre."
 
Dienstag, 20. Juli
 
"Hallo zusammen, bin gerade in Leon angekommen und geh Morgen weiter nach Astorga bzw. Rabanal del Camino. Gruß, Andre."
 
Donnerstag, 22. Juli
 
Viel Hitze, wenig Schlaf, steile Wege, viel Staub. Der Camino hat es in sich. Es ist beeindruckend, wie weit Andre es bei diesen Temperaturen tapfer geschafft hat. Aber die Hitzewelle über Europa fordert auch beim ihm ihren Tribut:
 
"Hallo zusammen, bin in Villabandos del Camino und werde wohl nicht sehr viel weiter kommen, da ich derzeit mit Problemen iun der Wade zu kämpfen habe. Ein Ruhetag würde da sicher nicht schaden, allerdings ist der Abflug ja auch schon fest gebucht.
Schaun wir mal, wie es Morgen gehen wird. Grüße, Andre."
 
Wir wünschen ihm von Herzen gute Besserung, denken im Gebet an ihn und hoffen, dass er bald gesund und viele Erfahrungen reicher wieder bei uns ist!
 
Freitag, 23. Juli
 
"Hallo zusammen, ich bin jetzt in Hospital de Obrigo und werde von dort morgen mit dem Bus nach Ponferrada weiterfahren. Ich erkläre hiermit das offizielle Ende der Fußpilgerreise. Gruß, Andre."
 
Wir ziehen den Hut vor Deiner Leistung, Andre. Ich weiß nicht, wer von uns so viele Kilometer in dieser Hitze geschafft hätte.
 
Samstag, 24. Juli
 
Doch noch nicht das Ende der Pilgerreise? Es gibt einen kleinen Nachschlag:
 
"Hallo zusammen, ich bin heute jetzt doch bis nach Astorga gepilgert, weil von hier die Busverbindungen nach Santiago de Compostela eindeutig besser sind. Grüße, Andre."
 
Sonntag, 25. Juli
 
Während die Bechhöfer ihre Kirchwei feiern, erholt sich Andre Tietgen von dem langen Pilgerweg in Santiago de Compostela und schöpft dort neue Kraft.
 
Vielen Dank für Deine Berichte.
Vielen Dank für Deine Kilometer für unsere Orgel.
Gottes Segen für die Heimreise!