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Ostern 2017

Ganz weit weg - und doch so nah

Christus ist auferstanden – das feiern und singen wir in unseren Ostergottesdiensten Jahr für Jahr. Ein Ereignis – sensationell, phänomenal und irgendwie: ganz weit weg. Denn das, was damals geschah und Maria und so viele Jünger in helle Begeisterung fallen ließ, lockt heutzutage kaum mehr einen hinterm Ofen hervor. Und so tun viele Menschen der Tradition genüge, an den Ostertagen Eier zu suchen, Hasen zu vernaschen und vielleicht noch den Gottesdienst zu besuchen. Aber spätestens am Tag danach - so viel schneller als nach Weihnachten - hat einen der Alltag wieder und „Auferstehung“ klingt nicht mehr aufregend, sondern nur noch welt- und wirklichkeitsfremd.

Dabei ist erstaunlich, dass die Botschaft von der Auferstehung Jesu von den Toten sich nicht in einem einmaligen Event erschöpft. Ich glaube, dass das Christentum dann keine hundert Jahre alt geworden wäre.

Die Jünger und so viele Menschen nach ihnen erfuhren Auferstehung mitten in ihrem Alltag und erst das machte sie sicher, dass der Gott, an den sie glaubten, Macht hatte, in jeder Situation – selbst im Tod – etwas Neues zu schaffen.

Sie erlebten Auferstehung ganz konkret und nicht vom Schreibtisch aus:

Wenn gehänselte Menschen frei werden, dann ist Ostern, über den 16. April hinaus. Wenn Mutlose Hoffnung bekommen, dann ist Ostern, auch mitten im November. Wenn die, die übersehen wurden, mit einem Mal im Licht der Aufmerksamkeit stehen – das ist Auferstehung.

Wenn Schuldigen die Schuld vergeben wird, wenn arme Menschen ein gutes Wort hören, wenn Verfolgte sich nicht mehr aus Angst umschauen müssen. Wenn Gefangene frei werden und Abhängige von ihrer Sucht loskommen. Wenn Lügner die Wahrheit sagen und sich Alpträume in Träume verwandeln. Wenn Schwache neue Kraft und Perspektive bekommen und Traurigen ein Lächeln im Gesicht steht. Wenn man morgens wieder aufstehen mag, um die Aufgaben zu erledigen – dann ist Ostern. Ostern ist da, wo Menschen frei werden.

Im Buch der Offenbarung heißt es, dass der, der auf dem Thron sitzt spricht: „Siehe, ich mache alles neu.“

Ich weiß nicht, wie ich mir das vorstellen soll, diese Auferstehung Jesu, die wir in diesen Tagen feiern. Ich gebe zu, dass ich da genauso verwirrt davor stehe wie die ersten Frauen am Grab, die Jesus noch einmal einbalsamieren wollten, weil alles, was sie kannten war, dass tot eben tot ist.

Aber ich nehme das Angebot wahr, das Gott mir mit der Auferstehung Jesu macht: „Siehe, ich mache alles neu.“

Ich nehme es an und sage Ja zum Leben, wie Gott auch Ja zu mir sagt. So wie Jesus aus dem Grab geschritten ist, vom Tod ins Leben, so möchte auch ich schreiten aus den Sorgen und Problemen heraus. Um den neuen Tag, das neue Leben zu leben.

Und das nicht nur am 16. April, sondern auch noch mitten unterm Jahr.

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